Spatenstich für Nahwärme-Heizwerk Bludenz-Bürs

Regional, erneuerbar und zuverlässig: Neues Heizwerk bildet Herzstück der künftigen Wärmeversorgung

Mit dem Spatenstich für das neue Heizwerk auf dem Areal des ehemaligen Zementwerks in Stallehr erreicht das Projekt Nahwärme Bludenz-Bürs einen weiteren wichtigen Meilenstein. Während der Bau des Wärmenetzes in Bludenz bereits seit August läuft, beginnt nun auch die Errichtung der Heizzentrale. Ab Herbst 2027 sollen die ersten Gebäude mit erneuerbarer Nahwärme versorgt werden. In den kommenden Jahren wird das Netz schrittweise in Bludenz und Bürs erweitert.Hinter dem Projekt steht die Nahwärme Bludenz-Bürs GmbH. Mehrheitsgesellschafterin ist die illwerke vkw AG, weitere Projektpartner sind die Stadt Bludenz und die Agrargemeinschaft Bürs. Gemeinsam schaffen sie die Infrastruktur für eine langfristig zuverlässige und weitgehend erneuerbare Wärmeversorgung in der Region.
„Eine sichere Wärmeversorgung ist ein zentraler Bestandteil unserer Energiezukunft. Mit der Nahwärme Bludenz-Bürs setzen wir auf erneuerbare Energie aus der Region und auf die effiziente Nutzung vorhandener Abwärme. Damit reduzieren wir die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, stärken die regionale Wertschöpfung und leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Energieautonomie Vorarlbergs“, betont Landeshauptmann Markus Wallner.

Biomasse und Abwärme intelligent kombiniert
Herzstück des Nahwärmesystems ist das neue Heizwerk. Es sind zwei Biomassekessel vorgesehen. Ergänzt werden sie durch eine moderne Kondensationsanlage mit Wärmepumpe sowie die Nutzung industrieller Abwärme. Ein Ausfallkessel gewährleistet zusätzliche Versorgungssicherheit.
Die Kombination unterschiedlicher Wärmequellen ermöglicht einen effizienten Betrieb über das gesamte Jahr. Insbesondere in den Sommermonaten soll industrielle Abwärme einen wesentlichen Teil des Wärmebedarfs decken, während Biomasse vor allem bei höherem Wärmebedarf zum Einsatz kommt. Die dafür benötigten Holzhackschnitzel stammen aus der Region.
Auch bei der Abgasreinigung wird auf moderne Technik gesetzt. Multizyklon-Abscheider und Elektro-Feinstaubfilter reinigen das Rauchgas. Eine Rauchgaskondensation gewinnt zusätzlich nutzbare Wärme zurück und reduziert gemeinsam mit der Entschwadung die sichtbare Wasserdampffahne auf ein Minimum.
„Wir errichten hier nicht nur ein Heizwerk, sondern ein Wärmeversorgungssystem, das langfristig mit den Anforderungen in Bludenz und Bürs mitwachsen kann. Die Verbindung von regionaler Biomasse, industrieller Abwärme und moderner Anlagentechnik ermöglicht eine effiziente und zuverlässige Versorgung. Gleichzeitig schaffen wir eine Infrastruktur, mit der viele einzelne fossile Heizungen durch eine gemeinsame erneuerbare Lösung ersetzt werden können“, erklärt Quido Salzmann, Vorstandsmitglied der illwerke vkw AG.

Netzausbau bereits in vollem Gang
Der Spatenstich für das Heizwerk ist ein weiterer Schritt in einem Projekt, dessen Umsetzung bereits sichtbar begonnen hat. Seit August laufen in Bludenz die Leitungsarbeiten für das neue Wärmenetz. Aktuell werden in mehreren Bereichen der Stadt Leitungen verlegt. Die Arbeiten werden abschnittsweise durchgeführt und bilden die Grundlage für die ersten Anschlüsse.
In der ersten Ausbaustufe entsteht ein rund sieben Kilometer langes Wärmenetz. Damit sollen zunächst rund 50 Gebäude mit insgesamt etwa 8 GWh erneuerbarer Wärme pro Jahr versorgt werden. Danach wird das Netz über mehrere Jahre schrittweise weiterentwickelt und verdichtet.
„Für Bludenz ist dieses Projekt ein ganz konkreter Schritt in Richtung einer nachhaltigen und sicheren Energieversorgung. Mit dem laufenden Netzausbau schaffen wir heute die Infrastruktur, von der Haushalte, öffentliche Einrichtungen und Betriebe über viele Jahrzehnte profitieren können. Besonders wichtig ist dabei, dass die Energiewende hier vor Ort sichtbar und unmittelbar wirksam wird“, sagt Bürgermeister Simon Tschann.

Schrittweiser Ausbau bis 2030
Bis 2030 soll die Nahwärmeversorgung sukzessive weiter ausgebaut werden. Im Endausbau ist eine thermische Leistung von rund 6,8 MW vorgesehen. Das Wärmenetz soll dann eine Länge von rund 26 Kilometern erreichen und jährlich etwa 33 GWh Wärme bereitstellen.
Der Ausbau erfolgt in mehreren jährlichen Etappen. Dabei spielt auch das Interesse potenzieller Kundinnen und Kunden eine wichtige Rolle: Je mehr Gebäude entlang und im Umfeld der geplanten Trassen angeschlossen werden, desto effizienter kann das Wärmenetz erweitert und verdichtet werden.
Für die angeschlossenen Gebäude bietet die Nahwärme eine komfortable Alternative zu individuellen Heizsystemen. Die Wärme wird zentral erzeugt und über ein Leitungsnetz zu den einzelnen Objekten transportiert. Dort überträgt eine kompakte Übergabestation die Wärme auf das bestehende Heizsystem. Ein eigener Heizkessel oder ein Brennstofflager werden damit nicht mehr benötigt. Mit der Nahwärme Bludenz-Bürs entsteht so Schritt für Schritt eine regionale Wärmeinfrastruktur, die Versorgungssicherheit, erneuerbare Energie, Energieeffizienz und regionale Wertschöpfung miteinander verbindet.

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