Sieg für Auer, Titel für Preining

DTM-Finale in Hockenheim

Vor einer sensationellen Kulisse von 112.000 Zuschauern gipfelte die DTM-Saison in Hockenheim zu einem großartigen Sonntags-Finale, in dem bis zur letzten Runde der Mercedes-Pilot Maro Engel und Porsche-Fahrer Thomas Preining um den Titel kämpften. Am Ende hatte der Österreicher die besseren Karten. Das Samstagsrennen gewann der Tiroler Luggi Auer – in den Titelkampf konnte er danach jedoch nicht mehr eingreifen.

Die Ausgangsposition vor dem letzten Rennen des Jahres versprach drei Fahrern eine realistische Chance auf den Titel: Der Österreicher Thomas Preining (Manthey-Porsche) hatte einen Vorsprung von 23 Punkten auf den Deutschen Maro Engel (Winward-Mercedes) und einen weiteren Punkt Vorsprung auf den Schubert-BMW-Piloten Marco Wittmann. Nur mit rein mathematischer Hoffnung kam der Tiroler Lucas Auer (Landgraf-Mercedes) nach Hockenheim, dessen Rückstand auf seinen Landsmann Preining 45 Punkte betrug.

Samstag: Pechvogel Engel und ein nicht gerade glücklicher Sieger Auer
Die Qualifikation am Samstag war ein kleines Glücksspiel. Die Strecke war am Morgen noch feucht, und so war es entscheidend, die richtigen Reifen zur richtigen Zeit aufzuziehen. Den Rest der Welt vermochte so Luca Engstler überraschen, indem er mit seinem Abt-Lamborghini mit den gegebenen Bedingungen am besten zurechtkam. Der Deutsche ließ Auer, Preining und Vermeulen hinter sich – während sich Engel und Wittmann nur mit den Startplätzen 7 und 11 zufrieden geben mussten.
Das weitere Hockenheim-Wochenende verlief für Engstler jedoch nicht besonders erfreulich. Zwar startete der Pole-Setter am besten ins Rennen und führte vor Auer, Engel und Feller, schon in der zweiten Runde kollidierte er aber vor der Mercedes-Tribüne mit dem aggressiven Auer, verlor die Kontrolle über das Auto und zerstörte es durch einen Aufprall in die Begrenzungsmauer so stark, dass er am Sonntag überhaupt nicht mehr antreten konnte.
Schlecht begann der Samstag auch für Preining, als er in der Parabolica auf den Rasen musste und deshalb ins Mittelfeld zurückfiel. Wegen Engstlers Unfall wurde das Rennen unterbrochen.
Auer überstand die Rangelei unversehrt und konnte sich sogar taktisch verhalten: Kurz nach dem Restart ließ er Engel vor, damit dieser im Titelduell mit Preining die volle Punktezahl holen kann. Preining und Wittmann drängten sich jedoch ebenfalls nach vorne.
Im modernen Motorsport spielen aber auch virtuelle Show-Einlagen wie Reifenwechsel eine wichtige Rolle. Beim Team Winward ist das Anziehen des hinteren rechten Reifens völlig schiefgegangen, und der unglückliche Engel kehrte nur hinter Wittmann und knapp vor Preining zurück auf die Strecke.
An der Spitze eilte Lucas Auer zum verdienten Sieg, der ihn nur teilweise erfreute: um die Meisterschaft konnte er am Sonntag nicht mehr fahren. Hinter dem Lamborghini von Bortolotti lieferten sich Wittmann und Engel ein schönes Duell, das auf der Strecke eigentlich vom Mercedes-Fahrer gewonnen wurde – laut Anordnung der Kommissare musste er Wittmann jedoch den Platz zurückgeben. Preining nutzte die gegebenen Umstände maximal aus und sicherte sich mit dem 5. Platz eine hervorragende Ausgangsposition für den Kampf um den Titel.

Sonntag: Engel machtlos gegen eine Porsche-Armee
Vor dem großen Finale hatte Thomas Preining einen Vorsprung von 20 Punkten auf Wittmann und 21 Punkte auf Engel und damit sehr gute Karten. Die Qualifikation fand bei kühlem, aber trockenem Wetter statt. Wittmann verabschiedete sich dabei de facto mit der 16. Zeit aus dem Kreis der Titelanwärter. Auch die zweite Qualifikation des Wochenendes endeten mit einer Überraschung: Diesmal setzte sich der junge Däne Bastian Buus auf einem Land-Porsche vor Preinings Teamkollegen Feller und dem Mercedes-Duo Engel und Gounon durch. Favorit Preining lauerte auf dem 7. Platz.
Engel wusste, dass er alles auf die Siegerkarte setzen musste. Bald nach dem Start war er Zweiter und nach 13 Minuten drängte er unnachgiebig an die Spitze vor Buus, der durch diese Aktion auch noch zwei weitere Plätze gegenüber Preining und Feller verlor.
Den Rest des Rennens raste Engel an der Spitze dem Sieg entgegen – hinter ihm hielt aber das Porsche-Trio Preining-Feller-Buus Sichtkontakt. Das war das Ergebnis, das Preining brauchte!
Die beiden vorgeschriebenen Sonntags-Boxenstopps änderten an dieser Reihenfolge diesmal nichts – nur Preining dankte Feller für die Unterstützung, indem er ihn auf den zweiten Platz vorbeiließ. Engel siegte, Wittmann kam nur als 7. an – und der Rest des Abends drehte sich nur noch um die Feier des Manthey-Porsche-Teams und Thomas Preining, der sich damit zum zweiten Mal zum DTM-Champion krönte.

Ergebnis – Sonntagsrennen DTM in Hockenheim:
1. Maro Engel, Winward-Mercedes
2. Ricardo Feller, Manthey-Porsche
3. Thomas Preining, Manthey-Porsche
4. Bastian Buus, Land-Porsche
5. Ben Doerr, Doerr-McLaren
6. Matteo Cairoli, Frey-Ferrari

Deutsche Tourenwagen Masters 2027 – Gesamtergebnis:
1. Thomas Preining              225 P.2. Maro Engel                      213 P.
3. Marco Wittmann              198 P.
4. Lucas Auer                       182 P.
5. Matteo Cairoli                  160 P.
6. Nicki Thiim                      149 P.

Text und Foto: Roman Klemm

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