Gemeinsam für mehr Chancengleichheit

Gleichstellungsbericht 2026

Der neue Gleichstellungsbericht Vorarlberg 2026 zeigt ein differenziertes Bild: In den Bereichen Bildung und politischer Teilhabe sind wichtige Fortschritte zu verzeichnen. Besonders sichtbar wird dies im Vorarlberger Landtag, in dem Frauen und Männer gleich stark vertreten sind. Gleichzeitig bestehen in verschiedenen Lebensbereichen weiterhin geschlechtsspezifische Unterschiede. Der seit dem Jahr 2000 regelmäßig erstellte Bericht schafft damit eine wichtige Grundlage, Entwicklungen sichtbar zu machen und die Gleichstellungsarbeit faktenbasiert weiterzuentwickeln.

Der Gleichstellungsbericht wird im Auftrag des Landes Vorarlberg, der Arbeiterkammer Vorarlberg und des Österreichischen Gewerkschaftsbundes erstellt. Die aktuelle Ausgabe wurde von L&R Sozialforschung erarbeitet und verbindet statistische Kennzahlen mit qualitativen Forschungsmethoden. Betrachtet werden Bildung, Erwerbsarbeit, unbezahlte Haus- und Sorgearbeit, die sozioökonomische Situation, politische Partizipation sowie geschlechtsbasierte Gewalt. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Teilzeitarbeit. Dafür wurden Frauen sowie Expertinnen und Experten zu ihren Einschätzungen befragt.
„Geschlechterungleichheiten sind immer noch in allen Lebensbereichen zu finden. Der Gleichstellungsbericht 2026 ist ein wichtiges Instrument, um die Gleichstellung zu messen und Handlungsfelder zu identifizieren“, sind sich Landesrätin Barbara Schöbi-Fink, Manuela Auer, Landesgeschäftsführerin des ÖGB Vorarlberg, und AK Vorarlberg Präsident Bernhard Heinzle einig.

Teilzeitarbeit differenziert betrachten
15 leitfadengestützte Interviews mit Frauen in Teilzeitarbeit ermöglichen differenzierte Einblicke in die Beweggründe für Teilzeitarbeit und die Erfahrungen der Frauen. Die Interviews zeigen, dass Teilzeitarbeit für Frauen häufig eng mit Betreuungspflichten und der Verteilung unbezahlter Haus- und Sorgearbeit verbunden ist. Traditionelle Rollenbilder spielen dabei weiterhin eine wichtige Rolle: Frauen übernehmen häufiger die Hauptverantwortung für Kinder, Haushalt und die Pflege Angehöriger. Gleichzeitig werden vereinbarkeitsfreundliche Arbeitsbedingungen und eine bedarfsgerechte institutionelle Kinderbildung und -betreuung als wichtige Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beschrieben.
„Mit dem Versorgungsauftrag haben wir in Vorarlberg eine wichtige Grundlage geschaffen, um das Kinderbildungs- und -betreuungsangebot flächendeckend auszubauen und Familien verlässliche Angebote zur Verfügung zu stellen“, betont Schöbi-Fink. „Damit unterstützen wir Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und schaffen zugleich gute Rahmenbedingungen dafür, dass Frauen und Männer ihre beruflichen und familiären Vorstellungen möglichst selbstbestimmt gestalten können.“
Die Gespräche machen aber auch deutlich, dass Teilzeit nicht ausschließlich als Folge von Betreuungspflichten gesehen werden kann. Gesundheit, hohe Arbeitsbelastung, Freizeit und der Wunsch nach mehr Zeit für die Familie können ebenso eine Rolle spielen, sofern dies finanziell möglich ist. Gleichzeitig berichten Frauen von einer besonderen Belastung: In der Erwerbsarbeit besteht Leistungsdruck, während die zusätzlich geleistete unbezahlte Arbeit vielfach wenig gesellschaftliche Anerkennung erfährt. Der Bericht zeigt damit, wie unterschiedlich die Lebenssituationen hinter einer Teilzeitbeschäftigung sein können.

Traditionelle Rollenbilder herrschen vor 
Als wichtiges Handlungsfeld nennt der Bericht die kritische Auseinandersetzung mit traditionellen Rollenbildern und eine breite Sensibilisierung für Geschlechterstereotype, auch durch kritische Männerarbeit, etwa in Bildungs- und Berufsorientierung, Jugendarbeit und Gewaltschutz. Auch die Haltung zur Kinderbildung und -betreuung spielt hinein: Eine AK Studie des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF) zeigt für Vorarlberg eine konservativere Einstellung zur Erwerbstätigkeit von Müttern. Männer stehen ihr laut Studie noch kritischer gegenüber als Frauen selbst.
AK Präsident Bernhard Heinzle: „Gleichstellung ist ein zentrales politisches Ziel, wie bereits in der Bundesverfassung beschrieben. Die vorherrschenden Rollenbilder, vor allem die der Männer sind das größte Hindernis dabei. Das kann nicht einfach als ‚Privatsache‘ beiseite gewischt werden. Das müssen wir bei all den Themen, wie dem höchsten Teilzeitanteil, dem höchsten Gender Pay Gap und gleichzeitig der geringsten Inanspruchnahme von ganztägiger früher Kinderbildung und -Betreuung in Österreich mitdenken. Das hängt zusammen.“

Pension Pay Gap
Wer ein Erwerbsleben lang weniger verdient, hat im Alter weniger: Der Pensionsunterschied zwischen Frauen und Männern beträgt in Vorarlberg 45 Prozent. Beim Arbeitslosengeld und der Notstandshilfe erhalten Frauen im Schnitt 18 Prozent weniger pro Tag. Besonders alleinlebende Frauen und Alleinerziehende sind verstärkt von Armut und Ausgrenzung bedroht.
Manuela Auer, Landesgeschäftsführerin des ÖGB, führt aus: „Wer gleich qualifiziert ist, muss gleich verdienen. Das gelingt nur mit echter Lohntransparenz und verbindlichen Zielen für Führungspositionen. Ein Pensionsunterschied von 45 Prozent ist das Ergebnis eines ganzen Berufslebens mit Nachteilen, und genau dort müssen wir ansetzen.“

Wichtige Handlungsfelder für die weitere Gleichstellungsarbeit
Der Gleichstellungsbericht zeigt sowohl die Fortschritte der vergangenen Jahre als auch jene Themen, die weiterhin Aufmerksamkeit verdienen. Für die weitere Entwicklung sind daher unterschiedliche Ebenen in den Blick zu nehmen: von gesetzlichen Rahmenbedingungen wie Entgelttransparenz und Diskriminierungsschutz bis hin zu einer breiten gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und Chancengleichheit.
Als wichtige Handlungsfelder nennt der Bericht insbesondere die Auseinandersetzung mit traditionellen Rollenbildern und Geschlechterstereotypen, die Sensibilisierung für die langfristigen Auswirkungen von Karriereentscheidungen und längeren Erwerbsunterbrechungen sowie vereinbarkeitsfreundliche Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt – und dabei ausdrücklich auch eine stärkere Einbindung von Männern. Ebenso wichtig sind eine bedarfsgerechte institutionelle Kinderbildung und -betreuung sowie die weitere Aufwertung dieses Bereichs. Nicht zuletzt braucht es eine differenzierte Betrachtung von Teilzeitarbeit:  Der Bericht liefert dazu die Grundlagen, um die Hintergründe, Auswirkungen und Lebenssituationen der Frauen in Teilzeitbeschäftigung besser zu verstehen.
Die Ergebnisse bieten eine wichtige Grundlage für den weiteren Dialog und die gemeinsame Arbeit an guten Rahmenbedingungen, damit Frauen ihre Bildungs-, Berufs- und Lebenswege frei und gleichberechtigt gestalten können.

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