Vor dem Saisonfinale der TEC7 Österreichischen Rallye-Staatsmeisterschaft ist die Ausgangslage so spannend wie nie zuvor: Hermann Neubauer führt mit 112 Punkten vor Michael Lengauer (106) und Simon Wagner (101). Somit haben alle drei Anwärter noch realistische Chancen auf den Meistertitel – die Entscheidung wird wohl erst auf der allerletzten Sonderprüfung fallen, denn dort gibt es bei der OBM Land der 1000 Hügel Rallye am kommenden Wochenende in Krumbach am Wechsel 5 Zusatzpunkte zu holen. Wie verrückt die Konstellation für die beteiligten Piloten ist, zeigt die Tatsache, dass z. B. für Simon Wagner vier Saisonsiege zu wenig sein könnten, andererseits aber z. B. Michael Lengauer ohne einzigen Saisonsieg Staatsmeister werden könnte.
An die Powerstage von Edlitz zum Eis-Greissler hat Simon Wagner gute Erinnerungen: 2023 holte er hier mit einer Powerstage-Bestzeit seinen damals dritten Meistertitel in Folge. Hermann Neubauer hingegen hat schon mehrere Entscheidungen auf der letzten Prüfung verloren: unter anderem beim Finale 2017 gegen Raimund Baumschlager, 2022 in Hartberg um eine Zehntelsekunde, und beim Finale 2023 machte er auf genau jener Strecke einen entscheidenden Fehler, welche auch dieses Jahr als letzte Sonderprüfung der Meisterschaft auf dem Programm steht.
Hermann Neubauer hat die beste Ausgangslage
Der Salzburger hat beim Saisonauftakt in Freistadt nur Platz vier erreicht und den zweiten Lauf im Rebenland ausgelassen, da er ursprünglich gar nicht die gesamte Meisterschaft bestreiten wollte. Danach fand Neubauer zurück zu alter Motivation und gewann in Judenburg und Weiz. Durch den Ausfall von Simon Wagner in Weiz hat Hermann Neubauer die Meisterschaft jetzt in der Hand und muss im Finale als einziger nicht unbedingt gewinnen. Theoretisch könnte ein zweiter oder sogar dritter Platz reichen, je nachdem wie seine Konkurrenten abschneiden. Mit einem Sieg wäre Neubauer fix Meister, egal was auf der Powerstage passiert.
Der Jubel bei der Jännerrallye war groß: endlich konnte Simon Wagner seine Heimrallye gewinnen. Nach zwei weiteren Siegen in Rebenland und Lavanttal dachte man, die Meisterschaft wäre gelaufen. Aber Simon überraschte mit Abwesenheit in Judenburg, um am gleichen Wochenende in Tschechien zu fahren und zeigte in Weiz nach langer Zeit einmal Nerven: nachdem ihn ein Turbo-Problem zurückgeworfen hatte, rutschten er und Beifahrerin Hanna Ostlender bei der Aufholjagd von der Strecke. Somit hat Simon Wagner als einziger der drei Kontrahenten zwei Nuller und kann damit nicht rein aus eigener Kraft Meister werden. Selbst bei einem Sieg mit Powerstage-Bestzeit würde Neubauer ein zweiter Platz mit zumindest 5. Zeit auf der Powerstage oder ein dritter Platz mit 2. Zeit auf der Powerstage reichen.
Michael Lengauer hat im Gegensatz zu den beiden anderen nicht nur noch keinen Meistertitel, er ist überhaupt zum ersten Mal in der Situation, Meister werden zu können. Und das, obwohl er heuer noch keinen Sieg vorweisen kann. Bei der Jännerrallye wurde ihm in Führung liegend ein Reifenschaden zum Verhängnis. Im Rebenland verlor er bei einem Ausrutscher auf Slicks im Regen einen komfortablen Vorsprung und unterlag Simon Wagner um nur 1,1 Sekunden. Im Lavanttal folgte ein heftiger Crash. Mit dem Wechsel von Skoda zum Citroen gab‘s in Judenburg und Weiz zwei weitere zweite Plätze. Im Gegensatz zu Simon Wagner kann Lengauer aus eigener Kraft Meister werden. Dafür braucht der Oberösterreicher einen Sieg und muss auf der Powerstage zumindest schneller als Neubauer sein. Dritter werden reicht Lengauer auf keinen Fall, und auch als Zweiter müsste auf der Powerstage ein ganz spezielles Szenario passieren. – Aber: wenn z. B. Neubauer und Wagner nicht ins Ziel kämen, genügte Lengauer sogar nur ein 10. Platz, um ohne Saisonsieg Rallye-Staatsmeister 2026 zu werden.
Luca Waldherr war in Judenburg als Dritter nicht ganz am Niveau von Neubauer und Lengauer. Bei der Heimrallye könnte der Hausherr trotzdem den Titelkampf entscheidend beeinflussen: das muss nicht einmal im Gesamtergebnis der Rallye sein, es reicht, wenn sich Luca Waldherr auf der Powerstage zwischen den Titelkandidaten platziert. Denn wenn Neubauer nicht gewinnt, kommt es auf die Powerstage-Punkte an – da kann schon ein Punkt mehr oder weniger, ein Zehntel schneller oder langsamer, den Ausschlag zum Meistertitel geben.
Zusammengefasst die wichtigsten (wenngleich nicht alle) Möglichkeiten:
Michael Lengauer wird Meister wenn beim Finale
– Lengauer gewinnt und auf der Powerstage schneller ist als Neubauer
– Lengauer gewinnt und Neubauer nicht Zweiter wird
– Wagner gewinnt, Lengauer Zweiter wird und auf der Powerstage mindestens zwei – Positionen vor Wagner ist und Neubauer nicht Dritter wird
– Wagner gewinnt, Lengauer Zweiter wird, Neubauer Dritter wird und Lengauer auf der Powerstage mindestens zwei Punkte mehr macht als Wagner und mindestens 4 Punkte mehr macht als Neubauer
Simon Wagner wird Meister wenn beim Finale
– Wagner gewinnt und Powerstage-Bestzeit fährt und Neubauer Zweiter wird, Neubauer aber keine Powerstage-Punkte holt
– Wagner gewinnt, Lengauer Zweiter wird, Neubauer Dritter wird und Wagner auf der Powerstage zumindest zwei Positionen vor Neubauer ist und maximal eine Position hinter Lengauer ist
– Wagner gewinnt, Lengauer Zweiter wird, Neubauer ausfällt und Wagner auf der Powerstage maximal eine Position hinter Lengauer ist
Hermann Neubauer wird Meister wenn beim Finale
– Neubauer gewinnt
– Wagner gewinnt, Neubauer Zweiter wird und auf der Powerstage zumindest 5. Zeit fährt
– Wagner gewinnt, Neubauer Dritter wird und auf der Powerstage maximal eine Position hinter Wagner ist
– Lengauer gewinnt, Neubauer Zweiter wird aber auf der Powerstage schneller als Lengauer ist

Auch in der TEC7 ORM 2 liegen die Nerven im Titelkampf noch blank. Zumindest jene von Christoph Zellhofer (Suzuki Swift ZMX, 113 Punkte) und Günther Knobloch (Renault Clio Rally3, 105 Punkte), die im direkten Duell um die Staatsmeister-Trophäe stehen. Durch seinen Ausfall in Weiz bugsierte der bis dahin führende Steirer Knobloch seinen niederösterreichischen Kontrahenten Zellhofer ungewollt in die Favoritenrolle. Die verschiedensten Titel-Rechnungen „Was wäre, wenn“ will Christoph Zellhofer zwar nicht anstellen, trotzdem sei hier eine davon kurz erklärt, um Günther Knoblochs Schwierigkeit des Unterfangens darzustellen. Selbst wenn der Steirer nämlich die Rallye samt den fünf Powerstage-Punkten gewinnt, genügt Christoph Zellhofer ein zweiter Platz bei der Rallye und ein dritter Platz in der Powerstage, um am Schluss immer noch einen Zähler vor Knobloch zu liegen. Mal sehen, welches Drehbuch die OBM Land der 1000 Hügel Rallye für die beiden Titelkontrahenten bereithält.
Alle Infos auch auf www.obm-1000huegel-rallye.at
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