Hundertstelkrimi am Demmerkogel: Schwaiger triumphiert mit 77 Jahren
Ein packender Dreikampf begleitete die tausenden Zuschauer auf den Weinhängen in St. Andrä-Höch durch den Renntag am Ostermontag. Rupert Schwaiger drehte das Ergebnis im letzten Rennlauf noch zu seinen Gunsten.
Es war die knappste Entscheidung in der über 40-jährigen Geschichte des steirischen Bergrallye-Cups: Nur 0,071 Sekunden trennten die Top-3 der Tageswertung beim zweiten Lauf der Saison 2026 in St. Andrä-Höch. Rupert Schwaiger (Porsche 911 Bi-Turbo) siegte hauchdünn mit einem Vorsprung von 0,037 Sekunden vor Reinhold Taus (Subaru P4 Turbo) und 0,071 Sekunden vor Herbert Perwein (VW Golf I). Auch wenn Schwaiger als Vorjahressieger ins Sausal gekommen war, ist sein Sieg angesichts der starken Allrad-Konkurrenz eine große Überraschung.
„Ich kann mich nicht beschweren, ein super Tag! Nach dem Training dachte ich, schneller geht’s nicht. Im zweiten Rennlauf hatte ich dann fast einen Dreher, deswegen bin ich im letzten Lauf gar nicht mehr aufs Ganze gegangen – und trotzdem hat’s geklappt. Ich kann’s kaum glauben.“ Schwaiger wiederholte damit nicht nur seinen Vorjahrestriumph, sondern ist mit 77 Jahren auch der älteste Sieger in der Bergrallye-Geschichte. Meister Taus gratulierte fair, grübelte aber über seine Zeiten: „Heute war es ein Kampf – ich weiß nicht, warum es heute nicht funktioniert hat.“ Schon im Training war am Auto des Topfavoriten ein Schlauch im Tankgehäuse leck geworden. Immerhin konnte das Problem behoben werden, und der Birkfelder ging ins Rennen. Zwar verlor Taus die Führungsposition im letzten Lauf an Schwaiger, doch den Angriff von Lödersdorf-Sieger Perwein konnte er parieren.Tages-Vierter wurde Peter Probhardt, der im Mitsubishi-WRC sogar die zweitschnellste Zeit des Tages in den Asphalt setzte und auch die Klasse 2a vor Felix Pailer im Lancia Delta Integrale für sich entschied. Dritter in der 2a wurde Lokalmatador Reinhold Nauschnegg (Opel Calibra Turbo 4×4). In der 2b gewann Michael Auer im schwarz-gelben Hyundai i30N TCR trotz Getriebeproblemen im dritten Lauf. Immerhin sechs Zehntel beträgt der Unterschied zum Lödersdorf-Sieger Hannes Kaufmann im Ford Escort Cosworth Rang zwei. In der 3b vorne: Heiko Fiausch, der mit seinem Opel Astra abermals spektakulär den Berg bezwang. Ein bessere Tagesplatzierung war mit gebrauchten Reifen aber nicht drin. Den größten Jubelschrei vollzog Stefan Mehlmaier (Honda Civic Type R), der die Klasse 6 vor Stefan Franischen und Tabellenführer Philipp Wilfing gewann: „Vier Jahre hat’s gedauert, dass ich hier endlich gewinnen kann. Sonst war immer technisch irgendein Problem. Mit dem neuen Auto hat’s auf Anhieb geklappt.“Gleich sieben TCR-Autos waren über mehrere Klassen verteilt am Start. Prominentester unter ihnen war Gaststarter Matija Jurišić aus Kroatien. Der Berg-EM-Teilnehmer war bestens aufgelegt: „Dieses Rennen ist für die anstehende EM-Saison der beste Test, den man sich vorstellen kann. Ich komme garantiert wieder.“ Seine Leistung beurteilte er so: „Nicht gut, aber auch nicht schlecht.“ Jurišić steigerte sich von Lauf zu Lauf und verstrickte sich in ein aufregendes Duell mit Patrick Mayer (VW Golf I). Der Niederösterreicher war in Lödersdorf noch im Hintertreffen, doch in St. Andrä war sein Tag gekommen: „Das war aber ganz schön am Limit“, strahlte der Sieger im Ziel.Auch in der Klasse 5a vibrierten die Straßenpfeiler: Chris-André Mayer (Honda Civic Type R), besser bekannt als „Orli“, gewann das Duell gegen Tabellenführer Patrick Flechl (Opel Astra GSi). In der Klasse 4b wiederholte Sebastian Huber (VW Golf GTi) seinen Tagessieg vom Saisonauftakt vor Werner Jud und Manuel Blasl, der nach sieben Jahren sein Comeback gab. Familie Neuherz hatte nach dem Schreck in Lödersdorf in St. Andrä-Höch gleich doppelt zu feiern: Florian (Fiat 128 3p) gewann die Klasse 5b, Vater Harald im Audi S1 quattro war Schnellster bei den historischen Fahrzeugen: „Ich bin froh, dass das Auto nach dem Unfall in der Zielkurve in Lödersdorf überhaupt fertig geworden ist – die ganze linke Seite war kaputt. Danke an alle meine Helfer!“ Damit war das auch die beste Werbung für die von Neuherz organisierte Bergrallye Übersbach in weniger als zwei Wochen (18./19. April).Während von der Koralm noch der Schnee blinzelte, herrschten am Demmerkogel beste Bedingungen und so kratzten die Spitzenpiloten auch an der Minutenmarke. Zusammen mit den Gleichmäßigkeitswertungen u.a. des Porsche Clubs Steiermark konnten insgesamt 114 Starter gezählt werden. Veranstalter und Fahrer Didi Sternard freute sich nicht nur über eine Spitzenzeit im dritten Rennlauf („damit bin ich für das Rechbergrennen gerüstet“), sondern auch über sehr viele Zuschauer: „Danke an alle fürs Kommen – das ist die größte Bestätigung für den Veranstalter MSC Gamlitz und auch für die Fahrer.“Klassensieger: Rupert Schwaiger (1), Peter Probhardt (2a), Michael Auer (2b), Herbert Perwein (3a), Heiko Fiausch (3b), Patrick Mayer (4a), Sebastian Huber (4b), Chris-André Mayer (5a), Florian Neuherz (5b), Stefan Mehlmaier (6); Historische: Dominik Neumann (10), Thomas Tkaletz (11), Jo Krammer (12), Harald Neuherz (13), Patrick Ulz (14), Nino Schanes (15)
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