Was hat den schweren DTM-Unfall am Norisring verursacht?

Das DTM-Rennen am Samstag auf dem Norisring wurde durch einen schlimmen Unfall zwischen dem Deutschen Maximilian Paul und dem Südafrikaner Kelvin van der Linde überschattet. Was das plötzliche Ausbrechen des GRT-Lamborghini auf der Geraden in die Leitplanken und damit die folgende Kollision verursacht hat, darüber wird offiziell bisher geschwiegen.

Kurz vor der Hälfte des ersten Rennens raste Maximilian Paul im GRT-Lamborghini mit etwa 270 km/h die Zielgerade hinunter in Richtung Grundigkehre. Etwa 250 Meter vor der Kurve brach er jedoch plötzlich nach rechts in die Leitplanke aus, die sein Hinterrad abgerissen hat, und krachte dann mit fast ungebremster Geschwindigkeit in den Schubert-BMW von van der Linde, der gerade in die Haarnadelkurve einlenkte. Beide Fahrer blieben lange in den Autos sitzen, was nichts Gutes verhieß. Schließlich wurden beide in eine nahegelegene Klinik gebracht, wo bei Paul ein Beinbruch festgestellt wurde und bei van der Linde schwere Prellungen am ganzen Körper. Der Wagen des Südafrikaners war Schrott und startete am Sonntag nicht, Paul musste operiert werden, und die Saison 2026 ist für ihn höchstwahrscheinlich gelaufen.
Am Sonntag informierte der Chef des österreichischen Lamborghini-Teams, Herr Gottfried Grasser, dass es Max unter den Umständen gut geht und er bereits erfolgreich am linken Bein operiert wurde. In Anbetracht der Belastung, der die Beine vor allem beim Bremsen ausgesetzt sind, kann er sich allerdings nicht vorstellen, dass Paul noch in 2026 wieder fit sein sollte.Die Medien waren natürlich daran interessiert, warum das Auto, das die GRT-Mechaniker am Abend nach dem Unfall direkt in den Boxen reparierten, plötzlich aus der Bahn geriet. Diese Frage konnte Herr Grasser natürlich nicht endgültig beantworten. Er vertrat aber eine ziemlich abenteuerlichen These, wonach an der Stelle, an der das Auto ausbrach, ein Ölfleck war und es gut möglich sei, dass genau dieser den Unfall verursacht habe… Durch den Aufprall in die Leitplanke riss das Hinterrad ab, was de facto das Bremssystem und die Lenkfähigkeit des Autos lahmlegte. Den Zusammenstoß mit Kevin konnte Max folgerichtig nicht verhindern.
Diese Erklärung ist ziemlich unwahrscheinlich. An der besagten Ölfleck-Stelle bremsen die Autos nicht und die Fahrer „drehen auch nicht am Lenkrad“ – keine „Rutschbahn“ auf dem Asphalt kann hier also so ein plötzliches Ausbrechen des Autos verursachen. Solche Szenarien werden gewöhnlich durch technische Defekte ausgelöst, auf die selbst die besten Fahrer nicht reagieren können, siehe Jim Clark in Hockenheim oder Jochen Rindt in Monza…
In den deutschen Medien tauchen merkwürdige Gedanken zur Sicherheit des Norisrings auf (nach dem Start des Porsche-Cup-Rennens am Samstag passierte an genau derselben Stelle ein ähnlicher Unfall) und besonders die aus hoher Geschwindigkeit anzubremsende Grundigkehre wird kritisiert. Motorsport war, ist und wird jedoch immer eine gefährliche Angelegenheit sein. Defekte oder Fahrerfehler werden auch in Zukunft zu Unfällen führen. Hoffen wir also, dass sich die Beteiligten so schnell wie möglich erholen und dass man den Unfall schnell vergisst – denn wer will schon eine künstliche Schikane irgendwo vor einer Steintribüne sehen? Der Norisring ist eine der letzten „echten“ Rennstrecken, die seit Jahrzehnten dem aktuellen Sicherheitswahn stand hielt – und so soll es auch bleiben!

Text und Fotos: Roman Klemm

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