Die Zeiten sind hart. Die Belastungen wachsen. Doch warum zahlen immer die Beschäftigten die Zeche? Die 198. Vollversammlung der AK Vorarlberg prangert massive Ungerechtigkeiten an und fordert dringende Reformen – vom Wohnbau über die Lehrlingsausbildung bis hin zum kränkelnden Insolvenz-Entgelt-Fonds.

Besonders deutlich wurde Heinzle beim Thema Wohnen. Die Probleme seien kein Zufall, sondern „strukturelles Versagen“. Steigende Mieten, fehlender leistbarer Wohnraum und ein schwacher gemeinnütziger Sektor gefährden den sozialen Zusammenhalt. Die Vollversammlung fordert daher eine klare Zweckwidmung der Wohnbauförderung und eine massive Stärkung des gemeinnützigen Wohnbaus. „Jeder Euro muss dort ankommen, wo er gebraucht wird – beim leistbaren Wohnen“, betont Heinzle.
Auch in der Lehrlingsausbildung sieht die AK dringenden Handlungsbedarf. Sinkende Lehrlingszahlen und große Qualitätsunterschiede in den Betrieben zeigen laut Heinzle, dass das System nicht mehr funktioniert: „Zwei von fünf Lehrlingen berichten von schlechten Ausbildungsbedingungen. Mehr als ein Viertel will nicht mehr im erlernten Beruf bleiben. Im Jahr 2025 haben bundesweit 27.546 Jugendliche eine Lehre angefangen – 2005 waren es noch 10.000 mehr!“ Sein Fazit: „Gute Ausbildung darf nicht vom Zufall abhängen.“ Die AK fordert deshalb einen Ausbildungsfonds, in den alle Unternehmen einzahlen. Verbindliche Qualitätsstandards, transparente Ausbildungspläne und regelmäßige Kontrollen sollen sicherstellen, dass Lehrlinge tatsächlich gut ausgebildet werden. Ziel ist es, die Attraktivität der Lehre nachhaltig zu stärken und Fachkräfte im Beruf zu halten.
Scharfe Kritik übte Heinzle auch an der Entwicklung des Insolvenz-Entgelt-Fonds. Drastisch gesenkte Arbeitgeberbeiträge hätten den Fonds unterfinanziert. „Der Fonds lebt von der Substanz – und das in einer Zeit steigender Insolvenzen.“ Die Vollversammlung fordert eine sofortige Anhebung der Beiträge auf ein nachhaltiges Niveau sowie eine regelmäßige Anpassung an die wirtschaftliche Entwicklung. Die soziale Absicherung der Beschäftigten im Insolvenzfall dürfe nicht gefährdet werden.
Die Anträge zu Ausbildungsfonds und Insolvenz-Entgelt-Fonds wurden von der Vollversammlung einstimmig und die Forderungen zum Wohnbau mit breiter Mehrheit beschlossen. Einzig FPÖ-Abgeordnete stimmten dagegen. Auch der Rechnungsabschluss der AK Vorarlberg in Höhe von knapp 33 Millionen Euro erhielt die Zustimmung aller Fraktionen mit Ausnahme der FPÖ.
Die Rolle der Arbeiterkammer in einer Zeit wachsender sozialer Spannungen ist klar: Ob Wohnen, Ausbildung oder soziale Sicherheit – immer stellt sich dieselbe Frage: Wer trägt die Lasten, und wer profitiert? Die AK wird weiterhin dafür eintreten, dass Vorarlberg nicht auseinanderdriftet – „damit jene, die alles am Laufen halten, am Ende nicht selbst auf der Strecke bleiben.“
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