Für diejenigen, die von der diesjährigen FIA-F1-Weltmeisterschaft aus bekannten Gründen nicht besonders beeindruckt sind, lieferte das letzte Wochenende Nachhilfe: Im Rahmen des Grand Prix de France Historique auf dem Circuit Paul Ricard startete die klassische Formel-1-Masters-Meisterschaft in ihre Saison 2026. Beide Rennen boten 170.000 Fans (laut Veranstalter für das gesamte Wochenende!) an der Strecke zwei packende Rennen. Jedes Mal schlug Werner D´Ansembourg mit seinem Brabham BT49 nur knapp Yutaka Toridas Williams FW07C. Der Austro-Spanier Andy Soucek war mit seinem soeben aufgebauten ATS D3 am Start – jedoch ohne Glück.

Qualifikation:
27 Teilnehmer mit F1-Autos, die bis 1986 gebaut wurden, kamen in den Süden Frankreichs. In einer sehr hart umkämpften Qualifikationssitzung, die aufgrund eines Crashes zwischen Michael Fitzgerald (Tyrrell 011) und Laurent Fort (Ensign 180B) sowie eines Unfalls von Guillaume Roman (Ensign N175) vorzeitig beendet werden musste, setzte sich der junge Belgier Werner D’Ansembourg durch. Der starke japanische Fahrer Yutaka Toriba zeigte mit seiner zweitschnellsten Zeit jedoch, was in den Rennen zu erwarten war. Jamie Constable (Tyrrell 011), Dan Eagling (Fittipaldi F8B), Mike Cantillon (Williams FW08), Valerio Leone (Arrows A6), der Vater des Pole-Setters Christophe (Williams FW07C) und der etwas wilde Warren Briggs (McLaren M29) meldeten ebenfalls Ambitionen auf Spitzenplatzierungen an.
Nach einem langen Winter bemerkten Beobachter zwei echte „Neuheiten“: Der Italiener Marco Fumagalli qualifizierte seinen im besten Sinne des Wortes „unbekannten“ Riviera-Ford F.1 170 mit einer sensationellen 15. Zeit, und der Profi Andy Soucek setzte seinen ATS-Ford D3 (der Wagen fuhr unter Stuck die letzten 5 WM-Rennen 1979) auf Platz 24. „Das Auto wurde im Winter komplett neu aufgebaut und wir bewegen es hier zum ersten Mal. Le Castellet sehen wir also als eine Test-Session an,“ berichtete Soucek, der viel Zeit an den Boxen verbrachte.

Rennen am Samstag:
Das Wetter war optimal, aber ein starker Wind wehte vom Meer (die Gerade in Le Castellet wird nicht ohne Grund Mistral genannt), als der aktuelle F1-Fahrer Isack Hadjar die Autos auf die Aufwärmrunde vor den ausverkauften (!) Tribünen schickte. Das Duo D’Ansembourg-Toriba zog nach dem Start schnell davon, während wenige Sekunden hinter ihnen ein Trio bestehend aus Eagling, Cantillon und Constable das Publikum mit einem Kampf um den dritten Platz unterhielt.
Am Ende des Rennens erhöhte der frühere japanische F4- und Super-GT-Pilot Toriba spürbar den Druck auf den führenden Fahrer. D’Ansebourg machte tatsächlich einen Fehler im langsameren Abschnitt der Strecke und kürzte eine Kurve ab. Der Japaner hinter ihm verließ jedoch ebenfalls zweimal die Ideallinie, sodass der Belgier die Ziellinie mit 1,2 Sekunden Vorsprung als Sieger überquerte. Überglücklich über sein Ergebnis verzichtete Toriba auf ein Protest: ‚Sicher, sein Abkürzen war nicht korrekt. In Monaco wäre er nach einem solchen Fehler in den Leitplanken gelandet. Aber wir lassen das Ergebnis so, wie es ist…‘ Den dritten Platz belegte der ausgezeichnete Eagling. Fumagalli fuhr mit seinen „Miami-blauen“ Riviera-F1 auf eine ausgezeichnete 11. Position vor, als er 3 Runden vor Schluss wegen eines Schaltproblems stehenblieb. Souceks ATS, mit dem Hans-Joachim Stuck 1979 fünfter in Watkins Glen wurde, überstand die Aufwärmrunde nicht…

Ergebnis Samstag:
1. Werner D´Ansembourg, Brabham BT49
2. Yutaka Toriba, Williams FW07C
3. Dan Eagling, Fittipaldi F8B
4. Mike Cantillon, Williams FW08
5. Christophe D´Ansembourg, Williams FW07C
6. Valerio Leone, Arrows A6
7. Fabrice Lheritier, Tyrrell 009
8. Warren Briggs, McLaren M29
9. Paul Lafargue, March 821
10. Guillaume Roman, Ensign N175
Rennen am Sonntag:
Die Pole-Position am Sonntag ging an den Siebtplatzierten vom Samstag, Fabrice Lheritier, während die Favoriten D´Ansebourg und Toriba nur von den Positionen 6 und 7 starteten. Nachdem David Coulthard die Autos ins Rennen gewinkt hatte, hatte der Einheimische Lheritier im ehemaligen Pironi-Tyrrell nicht vor, den ersten Platz kampflos aufzugeben. In dieser Phase fuhr D´Ansembourg geschickter als der zurückhaltende Toriba. Ab der 4. Runde lag der Belgier in Führung, während der Japaner etwa 3 Sekunden hinter dem defensiven Lheritier verlor. Am Ende wiederholte sich jedoch das Samstags-Konstellation: Toriba war im D´Ansembourgs Windschatten und zusammen nahmen sie die Nachzügler auseinander. Der weiße Parmalat-Brabham bewältigte den Verkehr etwas besser und schaffte es erneut, den Williams des japanischen Fahrers um eine Sekunde zu schlagen. Eagling brachte seinen Fittipaldi erneut auf den 3. Platz, während der motivierte Lheritier den 5. Platz rettete.
Beide neuen Autos schnitten dieses Mal nicht besser ab als am Samstag: die Riviera und ATS wurden erneut nicht klassifiziert. „Schade, unser Ziel war es hier, möglichst viele Runden zu drehen – was nicht gelungen ist. Wir möchten aber in 3-4 weiteren Rennen antreten,“ kommentierte Andy Soucek, der parallel auch noch in der Prototypen-Klasse fuhr und da mit einem Spice mehr Glück hatte.

Ergebnis Sonntag:
1. Werner D´Ansembourg, Brabham BT49
2. Yutaka Toriba, Williams FW07C
3. Dan Eagling, Fittipaldi F8B
4. Mike Cantillon, Williams FW08
5. Fabrice Lheritier, Tyrrell 009
6. Jamie Constable, Tyrrell 011
7. Christophe D´Ansembourg, Williams FW07C
8. Warren Briggs, McLaren M29
9. Paul Lafargue, March 821
10. James Hagan, Tyrrell 011B
Text und Bilder: Roman Klemm
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