Britische F3 auf dem Red Bull Ring

Nikita Bedrin fuhr in seiner eigenen Liga

Am vergangenen Wochenende gab es am österreichischen Red Bull Ring etwas Neues: die Britische Formel-3-Meisterschaft, GB3, machte dort Station. Eine Zusammenfassung fiel einfach aus: Entweder ist der Russe Nikita Bedrin ein absolut außergewöhnliches Talent – oder die allgemeine Qualität der Meisterschaft ist nicht besonders beeindruckend.Natürlich hat die britische Formel 3 nicht mehr die Stellung wie zu Zeiten, als sie Giganten wie Jackie Stewart, Emerson Fittipaldi, James Hunt, Ayrton Senna oder Mika Häkkinen direkt in die F1 beförderte – sie ist aber immer noch eine gesunde Meisterschaft, die die F2-Welt mit Talenten versorgt. Auch die Briten haben sich der Philosophie einheitlicher Chassis und Motoren angeschlossen. So verwenden alle Konkurrenten des vorgeschriebene Tatuus MSV GB3-025 Chassis, angetrieben von einem 280 PS starken Mountune-Motor und auf Pirelli-Reifen rollend. Auf dem Red Bull Ring ermöglicht dieses „Paket“ Zeiten, die etwa 3,5 Sekunden langsamer waren als die der FIA-F3-Dallara-Meisterschaft. (Pole-Setter der FIA-F3 Hiyu Yamakoshi fuhr vor zwei Wochen 1:21,730 min, die schnellste „britische Qualifikation“ Nikita Bedrin verzeichnete 1:24,345 min).Qualifikation:
Der Kalender „GB3“ umfasst nur 8 Veranstaltungen mit jeweils drei Rennen. Viermal startet man zuhause (Silverstone (2x), Donington und Brands Hatch), dazu kommen Auslandsrennen auf dem Hungaroring, Spa, Barcelona und erstmalig in Österreich. In die Steiermark brachten 7 Teams Fahrzeuge für 19 Fahrer. In der ersten viertelstündigen Qualifikation am Samstag setzte sich der Ungar Martin Molnar vom Team Rodin mit 67 Tausendstelsekunden Vorsprung vor seinem Teamkollegen Maxim Rehm aus Deutschland durch. Der favorisierte Gesamtführende, der Russe Nikita Bedrin (VRD), wurde Dritter vor dem besten Briten, Rowan Campbell-Pilling (Xcel). Dabei lagen die 17 schnellsten Fahrer innerhalb nur einer Sekunde. Von den beiden Mädchen war die Engländerin Abbi Pulling (Rodin) mit dem 9. Platz schneller als die Brasilianerin Aurelia Nobels (Hillspeed) auf Rang 12.
Direkt danach folgte die zweite viertelstündige Qualifikation, die die Startreihenfolge für das zweite Rennen festlegte. Diesmal war Bedrin vorne. Er war 0,3 Sekunden schneller als Molnar und eine weitere Zehntelsekunde vor dem Spanier Lucas Fluxou (Xcel). Pulling wurde 7., Nobels fuhr die 14. Zeit.

1. Rennen, Samstag:
Poleman Molnar kam nicht schlecht vom Start weg, ließ aber vor der ersten Kurve die „Tür der Innenbahn offen“, was Rehm clever nutzte und die Spitze übernahm. Während der ersten Runde schob sich Bedrin auf den 2. Platz. Nach der Hälfte des Rennens wurden zwei Neutralisierungen durchgeführt, die das Rennen lähmten – so waren die letzten 5 Minuten entscheidend. In der vorletzten Runde bestätigte Bedrin, der mit italienischer Lizenz startet, dass er das Maß im GB3-Feld ist und überholte Rehm. Er feierte dann seinen 5. Saisonsieg. Der spannender Vierkampf um Platz 3 wurde von Fluxa vor Fairclough, Molnar und Gonzales gewonnen. Nach Rehms Bestrafung wurde schließlich Platz 2 daraus.2. Rennen, Sonntag Vormittag
Am Sonntagvormittag dominierte Poleman Bedrin von Start bis ins Ziel. Er kam aus der ersten Runde vor Molnar und Fluxa zurück, später fiel der Ungar auf Platz 5 hinter Campbell-Pilling und Rehm zurück. Während Bedrin souverän seinen 3-Sekunden-Vorsprung bis ins Ziel verwaltete, änderte sich die Reihenfolge hinter ihm nur wegen Campbells Strafe. Der 20-jährige Russe gewann somit auch das zweite Rennen des Wochenendes vor Fluxa und Rehm. Abbi Pulling profitierte von den Strafen der Gegner wegen Überschreitung der Streckenbegrenzung und sicherte sich gute Punkte für Platz 6.3. Rennen, Sonntag Nachmittag
Für das letzte Rennen der GB3 in Österreich starteten die ersten 12 Qualifizierten in umgekehrter Reihenfolge. „Ich denke, es ist realistisch, aufs Podium zu kommen“, prophezeite Bedrin vor dem Start. Und er hatte Recht. Vom 12. Startplatz aus war er schon nach der ersten Runde Fünfter, während sich seine Teamkollegen, die mexikanischen Brüder Gonzales, an der Spitze festsetzten. Das Rennen wurde leider durch 3 Neutralisationen beeinflusst, und das Geschehen auf der Strecke verwandelte sich daher in eine Farce, bei der nur 10 Minuten wirklich scharf gefahren wurde. Trotzdem schaffte es Bedrin bis auf die 2. Position hinter dem glücklichen Patricio Gonzales, der auf dem Red Bull Ring seinen ersten Sieg feierte. Ebenso glücklich war Außenseiter Leon Wilson (Arden) auf dem dritten Platz sowie Aurelia Nobels auf dem 8. Platz. Beide verdankten ihr gutes Ergebnis allerdings einem Unfall zwischen Kyuha Lee und Rodrigo Gonzales, die kurz vor Schluss noch vor ihnen lagen.

GB3-Gesamtstand zur Saisonhälfte:
1. Nikita Bedrin         319 P.
2. Lucas Fluxa          213 P.
3. Martin Molnar       206 P.
4. Maxim Rehm        193 P.
5. Patricio Gonzales  146 P.

Text und Fotos: Roman Klemm

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