AK Standort-Rating 2024: Wer gute Fachkräfte braucht, muss gute Arbeitsbedingungen bieten!

Arbeiterkammer präsentiert mit Standort-Rating 2024 eine umfassende Sammlung aktueller Zahlen und Fakten zum Arbeits- und Wirtschaftsstandort Vorarlberg

Das Standort-Rating der AK Vorarlberg hat sich innerhalb weniger Jahre zum umfassenden Standardwerk über die aktuelle Lage des Arbeits- und Wirtschaftsstandorts Vorarlberg entwickelt. Auf über 120-Seiten bietet die zum vierten Mal erscheinende und heute in Feldkirch präsentierte Publikation wissenschaftlich fundierte Informationen. Ein Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe ist das Thema Fachkräftebedarf.

Zentrales Hindernis, um gut ausgebildete Arbeitskräfte zu finden und an Vorarlberg zu binden, ist die fehlende Gerechtigkeit bei der Verteilung des wirtschaftlichen Erfolgs: In keinem anderen Bundesland ist die Stundenproduktivität so hoch wie in Vorarlberg, doch die Arbeitnehmer:innen werden im Vergleich am wenigsten am Erfolg beteiligt! Das AK Standort-Rating entkräftet auch die von Unternehmerseite stammende Mär zunehmender „Faulheit“. Das Arbeitskräftepotential in Vorarlberg ist hoch, die Arbeitsbereitschaft im Ländle in den vergangenen Jahren sogar stetig gewachsen. Was es braucht, um die Attraktivität des Arbeitsstandort zu steigern und gute Arbeit für alle zu fördern, ist eine umsichtige Wirtschafts- und Sozialpolitik.

Weniger als die Hälfte jedes erwirtschafteten Euros fließt in Lohneinkommen
In Vorarlberg ist der erwirtschaftete Kuchen im Vergleich zu den anderen Bundesländern besonders ungleich verteilt. Im Jahr 2021 flossen knapp 44 Cent pro erwirtschaftetem Euro in Lohneinkommen. In allen anderen Bundesländern kommt mehr bei den Arbeitnehmer:innen an. Das ist keine Momentaufnahme sondern schon seit langem so: 2015 flossen 43 Cent pro erwirtschaftetem Euro in Lohneinkommen. Diese Zahl stieg innerhalb von sechs Jahren also gerade einmal um einen Cent – während die Lebenshaltungskosten in diesem Zeitraum viel stärker stiegen.
Bei den Unternehmenseinkommen ist es genau umgekehrt, hier liegt Vorarlberg deutlich über dem Österreichdurchschnitt, und das über den gesamten Betrachtungszeitraum von 2000 bis 2021 hinweg.
Dabei sind die Vorarlberger:innen die Fleißigsten in Österreich: Die Stundenproduktivität liegt auf dem ersten Platz im Bundesländervergleich, bei durchschnittlich knapp 63 Euro realem Bruttoregionalprodukt (Preisbasis 2010). Noch dazu ist die Produktivität in den letzten Jahren stetig gewachsen (Abbildung Stundenproduktivität). Gerecht wäre, wenn die Vorarlberger Beschäftigten einen entsprechenden Anteil für ihre Arbeitsleistung bekämen.

Zunehmende Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen
Die Arbeitsbereitschaft ist in Vorarlberg hoch und wächst stetig. Zentrale Kennzahl hierfür ist die Erwerbsquote der 15- bis 64-Jährigen, welche seit 2010 um knapp 10 Prozent gestiegen ist. Das liegt vor allem daran, dass es immer mehr Teilzeitbeschäftigte gibt (+37 Prozent). Aber auch die Anzahl der Vollzeitbeschäftigten (+10 Prozent) ist stetig gestiegen (Abbildung Erwerbsquote).
Dennoch steht der Arbeitsmarkt vor Herausforderungen. Den Unternehmen fällt es zunehmend schwer, Stellen zu besetzen. Die Anzahl der offenen Stellen hat sich in den vergangenen Jahren merklich erhöht und die durchschnittliche Dauer bis zur Besetzung ist angestiegen. Vorarlberg altert zudem schneller als es wächst (Abbildung Altersverteilung). Bereits 2030 wird es laut Prognose in Vorarlberg mehr Personen im Alter von über 65 Jahren, als 0- bis 19-jährige Personen geben.

Erwerbspotential weiterhin groß – Arbeits- und Lebensbedingungen entscheidend
Noch ist die Erwerbsquote bei den Jüngeren im Bundesvergleich hoch, der Anteil der jungen Erwerbsbevölkerung wird aber künftig weiter abnehmen. Besonders bei Frauen ist die Erwerbsquote im Alter von 20 bis 44 Jahren verhältnismäßig gering (Abbildung Erwerbsquote).
Über 42 Prozent der Frauen in Teilzeit geben an, aufgrund von Betreuungspflichten nicht in Vollzeit zu arbeiten. Das Kinderbetreuungsangebot ist nach wie vor zu gering. So ermöglichen nicht einmal die Hälfte der Kinderbetreuungseinrichtungen, einer Vollzeittätigkeit nachzugehen. Zudem sind viele Einrichtungen privat, was die Betreuung teuer macht. Das wurde auch durch eine Umfrage der AK Vorarlberg bestätigt. Eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch mehr Kinderbetreuungsplätze mit hoher Qualität ermöglicht Teilnahme am Arbeitsleben. Darüber hinaus erweitert die wichtige Elementarpädagogik die Chancen für Kinder.

Qualifizierungsoffensive für mehr Chancen von Personen mit Pflichtabschluss
Bei genauer Betrachtung der unbesetzten Stellen zeigt sich, dass es besonders für Personen mit maximal Pflichtschulabschluss wenig offene Stellen gibt. Vorarlberg hat mit 16,3 Prozent in Österreich gemeinsam mit Wien immer noch den größten Anteil an Personen mit maximal Pflichtschulabschluss. Die Teilnahme an Weiterbildungen ist unter dem österreichischen Durchschnitt. Eine Qualifizierungsoffensive könnte diese Personengruppe dabei unterstützen, höhere Bildungsabschlüsse und damit größere Erwerbsmöglichkeiten zu erreichen.

Wohneigentum wird für immer mehr Haushalte völlig unleistbar
Die Teuerung setzt den Menschen in Vorarlberg zu. Eine besondere Herausforderung stellen vor allem die Wohnkosten dar. Das ist zudem ein großes Problem für die Standortattraktivität.
Die durchschnittlichen Häuser- (+91 Prozent) und Wohnungspreise (+81 Prozent) sind zwischen 2015 und 2022 in keinem anderen Bundesland so stark gestiegen wie in Vorarlberg, die Grundstückspreise haben sich sogar weit mehr als verdoppelt (+240 Prozent). Nur in Salzburg zahlen die Menschen noch mehr Miete. Laut Erhebungen der Statistik Austria sind 20 bis 35 Prozent aller Haushalte durch die Wohnkosten überlastet. Das bestätigt auch die AK Wohnumfrage 2023.

Steuern müssen gerechter verteilt werden
Die Steuer- bzw. Abgabenlast in Österreich ist weiterhin ungleich verteilt: Steuern auf Kapital bzw. Vermögen und dessen Einkommen sind auch im internationalen Vergleich niedrig. Fast 81 Prozent aller Steuern und Abgaben werden von Arbeitnehmer:innen und Konsument:innen finanziert. Auch im Vergleich zu anderen OECD-Staaten liegt Österreich mit 1,3 Prozent des Steueraufkommens aus Vermögen deutlich unter dem Durchschnitt von 5,7 Prozent. Das war nicht immer so, 1965 kamen noch vier Prozent des Steueraufkommens aus Vermögensbesteuerung.
Diese Entwicklungen erfordern ein Überdenken der aktuellen Steuer- und Wirtschaftspolitik. So würden beispielsweise eine progressive Vermögenssteuer und Erbschaftssteuer zur Entlastung der allermeisten Haushalte und des Budgets beitragen. Einkommen könnten steuerlich entlastet werden. So würden die progressive Vermögens- und die Erbschaftssteuer dazu beitragen, den Kuchen gerechter zu verteilen.

Die wichtigsten Stellschrauben für die Politik

  • Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch Ausweitung
    der Kinderbetreuung und Bildung ab dem ersten Lebensjahr
  • Qualifizierungsoffensive mit Fokus auf Niedrigqualifizierte
    Personen und deren Bedarfe
  • Schaffung von leistbarem Wohnraum –
    vor allem im gemeinnützigen Miet- und Mietkauf
  • Mehr Verteilungsgerechtigkeit:
  • Weniger Steuern auf Arbeit
  • Mehr Steuern auf Vermögen

Standortrating 2024 Indikatoren Dashboard

 

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